Auf das Ganze gesetzt

  • Gelebte Geschichte.
    Gelebte Geschichte.
    Familie Nigl ist hier seit vielen Generationen daheim. Für die Gäste des Weingutes wurde unterhalb der Ruine Senftenberg ein schönes Zuhause auf Zeit geschaffen.© Â©Architekten Tauber
  • An den Hang gelehnt.
    An den Hang gelehnt.
    Das neue Gebäude schmiegt sich nicht nur an die Topografie, sondern übernimmt auch die sanften Naturmaterialien und deren Farben.© Â©Architekten Tauber
  • Genießen und bleiben.
    Genießen und bleiben.
    Gäste, die über Nacht oder länger bleiben möchten, sind am Weingut Nigl herzlich willkommen.© Â©Architekten Tauber
  • Mit viel Raffinesse und Fingerspitzengefühl wurde Altes mit Neuem verbunden.© Â©Architekten Tauber
  • Mit viel Raffinesse und Fingerspitzengefühl wurde Altes mit Neuem verbunden.© Â©Architekten Tauber

Tradition und Wissen werden hier von Generation zu Generation weitergegeben – das Geheimnis für besonders raffinierte Tropfen, die weit über die Grenzen der Region geschätzt werden. Als ausbaufähig betrachtete man neben dem Wein auch das Unternehmen selbst, das in mehreren Etappen zu Hotel, Restaurant und Ab-Hof-Verkauf erweitert wurde.

Von Barbara Jahn

Schon vor Jahren wurde ein denkmalgeschütztes Gebäude unterhalb der Ruine Senftenberg am Fuße des Kirchenbergs zu einem Restaurant mit zwölf Gästezimmern umgestaltet. Von der Bausub­stanz des historischen und sehr baufälligen Lesehofs sollte möglichst viel erhalten bleiben. So wurde auf einer neu eingezogenen tragenden Stahlskelettkonstruktion ein neues Dach aufgesetzt und zwei Geschoße mit Restaurant im Erdgeschoß und Gästezimmern im Erd- und Dachgeschoß eingebaut. Sichtziegelwände und die Wiederverwendung alter Türen sowie der originalgetreue Nachbau von Fenstern trugen wesentlich zur Erhaltung des ursprünglichen Charakters bei. Doch dies war erst der Beginn einer ganzen Reihe baulicher Maßnahmen, denn die Pläne waren viel größer und weitergedacht. Architekt Thomas Tauber erinnert sich an die Anfänge, als die Steine sprichwörtlich „ins Rollen“ kamen: „Je länger die Gespräche dauerten, umso größer und umfangreicher wurde das Projekt. So wurde in einer ersten Phase die Restaurantküche verlegt und das Restaurant um 25 Sitzplätze vergrößert, gleichzeitig wurde die ehemalige Durchfahrt zu einem Wintergarten ausgebaut. Ein bestehender Anbau wurde mit Büroräumlichkeiten, einem Seminarraum sowie einem zusätzlichen Appartement ausgebaut. Um das hangseitige, hinter der Straße liegende Grundstück besser nutzen zu können, wurden unter der Straße zwei Verbindungstunnel gegraben und das Stammhaus mit dem neu geplanten Hoteltrakt verbunden.“

Hoch hinaus

Die Topografie machte das Projekt noch ambitionierter: Das neue Weinhotel, das Raum für 20 hochwertige Zimmer und Suiten sowie einen 500 Quadratmeter großen Spa-Bereich schaffen sollte, fand seine Position am steil ansteigenden Hang des Nachbargrundstückes. Ursprünglich war auf der anderen Seite der Straße ein Appartementhaus geplant, aber die Ideen sprudelten und mündeten in einem Großprojekt. „Um den Neubau errichten zu können, musste erstmal 15.000 Kubikmeter Fels beseitigt werden, um Platz für zwei Weinlager, Technik- und Personalaufenthaltsräume zu schaffen. Das neue Gebäude ­wurde darüber als Terrassenhaus aufgeschichtet und folgt in seiner Neigung den ehemaligen Weinterrassen“, sagt Architekt Tauber. „Dem Wunsch der Familie Nigl folgend sollte das Gebäude möglichst naturnah gestaltet werden, daher kam vor allem Holz als Fassadenverkleidung in Frage. Die steilen Weinterrassen sind geprägt in einer horizontalen Schichtung mit da­zwischen befindlicher Bepflanzung. Der Natur folgend wurden daher die Terrassen vor den Zimmern mit Pflanztrögen und die großzügigen Terrassen als Gründächer ausgestattet. Als Bepflanzung wurden primär heimische Pflanzen gewählt.“

Noch besser

Der Neubau beinhaltet neben 29 Zimmern auch zwei Suiten, einen sich über drei Geschoße erstreckenden Wellnessbereich mit Saunalandschaft, Dampfbad, Infinitypool auf der Dachterrasse und entsprechenden Massageräumen. Von allen Ebenen aus, sowohl von den Zimmer als auch den allgemeinen Terrassen im zweiten und dritten Obergeschoß, genießt man einen herrlichen Ausblick weit hinein in das Kremstal und auf die Ruine Senftenberg. Dass dies so geworden ist, daran war Martin Nigl sen., der auch während des Baues ständig nach Verbesserungen und weiteren Nutzungsmöglichkeiten Ausschau gehalten hat, stark beteiligt. Architekt Tauber ist immer noch begeistert von der Zusammenarbeit und den Inputs, die noch mehr aus dem Projekt herausgeholt haben: „So wurden etwa die Saunen aus der Gebäudehülle herausgeschoben, um Blicke aus den Saunaräumen in das Kremstal beziehungsweise auf die Ruine möglich zu machen. Auch der zusätzliche Einbau eines Zimmers an der Nordseite mit eigener Terrasse Richtung Weingarten und einem sensationellen Ausblick auf die Ruine wurde im Zuge einer Baubesprechung kurzfristig umgesetzt.“ Im Bereich des Verbindungsganges im Untergeschoß befindet sich noch ein großer Verkostungs- beziehungsweise Seminarraum. Eine hauseigene Wäscherei und zusätzliche Räumlichkeiten für das Personal ergänzen das umfangreiche Raumprogramm.

Weit vorausgedacht

Technisch wurde das Gebäude mit Wärmepumpen ausgestattet, welche die benötigte Energie aus Tiefensonden sowie aus der Abwärme, die im Restaurant respektive Kühlräumen entsteht, bezieht. Im Neubau wurde auf klassische Klimaanlagen verzichtet und eine angenehme Raumkühlung mittels Bauteilaktivierung hergestellt. Ebenso wurde auf eine aufwändige Be- und Entlüftungsanlage verzichtet – eine gute Raumluft wird über Fassadenzuluftelemente und eine Abluft über die Sanitärräume erzielt. Die Abwärme wird wiedergewonnen und zur Warmwasseraufbereitung und Beheizung des Outdoorpools genutzt. Wesentlich war der Bauherren-Familie – nicht zuletzt aus dem Gedanken der Nachhaltigkeit und der Ökologie heraus – die Einbindung heimischer Firmen. So wurde unter anderem das Gebäude von einem niederösterreichischen Traditionsunternehmen, dem Bau- und Zimmereiunternehmen Franz Schütz GmbH, in Massivbauweise errichtet. Das 1926 gegründete Unternehmen ist in der Region Wachau mit seinen drei Standorten und 145 Mitarbeitenden bestens verankert.

Gemeinsam geschafft 

Alles in allem war das neue Weinhotel eine komplexe Baustelle, die eine exakte Terminisierung aller Gewerke erforderte. Ambitioniert war demnach nicht nur das gesamte Projekt, sondern auch der straffe Zeitplan, in dem es umgesetzt werden sollte und den es von der Baufirma einzuhalten galt. Die Herausforderungen waren groß: So musste unter enormem Zeitdruck die Oberfläche für eine Parkettverlegung sowie für drei weitere Untergründe vorbereitet werden. Dafür war das Fachwissen sowie die Beratung von WEBER Terranova besonders gefordert, auf welche die Firma Schütz GmbH schon seit Jahren zurückgreift. Bewährterweise kam hier für den Bodenausgleich weberfloor 4320 zum Einsatz, der innerhalb des festgelegten Zeitfensters pünktlich für eine perfekte, ebene Oberfläche sorgte. Die fließfähige, faserverstärkte zementgebundene Bodenausgleichsmasse ist schnell begehbar und als Untergrund für die unterschiedlichsten Belege geeignet. Trotz eines straffen Zeitplans wurde jederzeit mit Freude und Enthusiasmus gearbeitet.

ZITAT:

"Trotz eines straffen Zeitplans wurde jederzeit mit Freude und Enthusiasmus gearbeitet."
Architekt Thomas Tauber                             

FAKTEN:

Weingut Nigl im Kremstal

Bauherr: Weingut Nigl, Kirchenberg 1, 3541 Senftenberg, www.nigl.at
Architektur: Mag. arch. Thomas Tauber
Verarbeiter: Franz Schütz Ges.m.b.H
Verwendete Produkte: WEBER Terranova weberfloor 4320, Außenabdichtung Superflex D24
Saint-Gobain WEBER Terranova Fachberatung: Gerhard Zirbs / Ing. Ewald Steininger