Gut geplant ist halb saniert

  • Kurt Battisti, Geschäftsführer A-Null Development GmbH
    Kurt Battisti, Geschäftsführer A-Null Development GmbH
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Die Gebäudesanierung ist einer der wichtigsten Faktoren zur Erreichung der Klimaziele. Von der erforderlichen 3-Prozent-Marke ist Österreich jedoch weit entfernt. Zuletzt lag die Sanierungsrate bei lediglich 1,4 Prozent. Mit der Sanierungsoffensive und den entsprechenden Förderanreizen verzeichnet die Gebäudesanierung wieder einen leichten Anstieg auf aktuell ungefähr 1,8 Prozent. Deutlich angestiegene Energiepreise und der Wunsch nach energetischer Unabhängigkeit machen Sanierungsmaßnahmen zusätzlich attraktiv. Welche Maßnahmen – ob Fenster- und Heizungstausch oder doch eine Komplettsanierung – am ehesten zum Ziel führen, ist von Gebäude zu Gebäude unterschiedlich. Die Beurteilung erfordert eine detaillierte Planung. Welche Software dabei Architektur- und technische Planer am besten unterstützt, darüber spricht WEISS-Chefredakteur Tom Cervinka mit Kurt Battisti, Geschäftsführer A-Null Development GmbH. 

Weiss: Wie kann der Einsatz von Planungs-Software die Gebäudesanierung unterstützen bzw. erleichtern?

Kurt Battisti: Sie kann und soll uns helfen, in der Komplexität der Aufgabe nicht die Übersicht zu verlieren. Sie soll uns helfen, die passendere Entscheidung zu treffen, um Bauwerke energieeffizienter und nachhaltiger zu machen. Ich bin überzeugt, dass uns die Einhaltung von Umweltstandards langfristig Kosten sparen wird. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen sollen sichtbar werden. Wir werden immer mehr darauf hingewiesen, dass Wegwerfen-und-neu-Machen eine Sackgasse ist. „Immer neu“ macht uns nur scheinbar freier, in Wirklichkeit aber abhängiger. Wir arbeiten daran, diese Erkenntnis so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen.       

Weiss: Von welcher Software sprechen wir in diesem Zusammenhang konkret? Beziehungsweise wer ist Nutzer spezieller Sanierungs-Software – die Architekturplanung oder eher Bauphysiker oder Statiker?

Kurt Battisti: Ich finde, wir sollten weniger über Software und mehr über Datenfluss sprechen. Wir versuchen in ArchiPHYSIK möglichst, bestehende Daten wiederzuverwenden. Stichwort IFC. Wichtig finde ich in unserer Software aber die Zusammenschau einiger verwandter Betrachtungsweisen. Eine eindimensionale Betrachtung ist zwar leichter zu schlucken, aber wiegt uns schnell in falscher Sicherheit. Aus diesem Grund versuchen wir bei Archi­PHYSIK neben der energetischen Performance, dem Energieausweis, andere wichtige Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu zählen vorrangig Bauphysik, Ökologie und Nachhaltigkeit. Dies lässt sich sehr gut gemeinsam abhandeln. 

Weiss: Auf welche Software bzw. Software-Applikationen sollte man aus Ihrer Sicht bei der Sanierungsplanung nicht verzichten?

Kurt Battisti: Ich denke, es gilt hier mindestens zwei Phasen zu unterscheiden: die Konzeption und die Realisierung. In der Konzeption wird eine Software benötigt, die es erlaubt, schnell die verschiedenen Wege zu bewerten. In der Realisierung muss es möglich sein, die verwendeten Produkte rasch hereinzuholen. Da das Datenmanagement eine so große Rolle spielt, sollte ein offener BIM-Workflow eingesetzt werden. Das sehe ich aber auch abseits der Sanierung als Schlüsseltechnologie der Zukunft.

Weiss: In welchen Planungsstadien (Entwurf – Einreich- oder Ausführungsplanung, Detailplanung, Statik – Technik – Bauphysik) ist welche Software hilfreich/erforderlich? Was kann die entsprechende Software leisten?    

Kurt Battisti:  Wie viel Zeit haben Sie? Wie vorher schon angedeutet, finde ich die konkrete Software nicht ganz so wichtig. Es geht um die Daten und den Datenfluss. Natürlich ist es für einen Softwarehersteller gut, seinen Claim abgesteckt zu haben, aber die tatsächliche Herausforderung liegt meiner Meinung nach darin, die Daten fließen zu lassen. Wenn wir das in einer offenen Weise machen, dann können wir uns der eigentlichen Aufgabe widmen: gute und nachhaltige Bauwerke zu schaffen. Gute Software kann Daten übernehmen, aber auch an andere Software weitergeben. Wenn dann auch noch die Möglichkeit besteht, diese Daten selbst mit kleinen Werkzeugen, ich spreche von einfachen Scripts, zu verändern, dann sind wir auf der Gewinnerstraße. 

Weiss: Wesentlicher Bestandteil einer Sanierungsplanung ist eine Bestandsaufnahme des Gebäudes. Gibt es hier spezielle Software, die bei einer ersten Einschätzung von Sanierungsmaßnahmen helfen kann?  

Kurt Battisti: Hilfreich für die Geometrie sind sicher 3D-Scans. Das heißt jede Form von 3D-Scans hilft bei der Ermittlung der Massen. Aber die tatsächliche ­Herausforderung ist die Identifizierung der verwendeten Baustoffe. Das ist nach wie vor nur durch Recherche möglich. Ausschreibungen können hier eine gute Quelle sein. Sollte man das Glück haben, noch auf Daten zugreifen zu können. Ansonsten kann man sich der Sache nur zu nähern versuchen. An der Stelle zeigt sich aber, wie wichtig es wäre, das tatsächlich verbaute Material zu erfassen. Hier wieder ein kleiner Verweis auf BIM. In diesem Workflow ist vorgesehen, dass es ein „as-built“-BIM-Modell geben soll, in dem diese Daten erfasst werden. Die jetzige Situation zeigt sehr schön, dass wir hier Weitblick brauchen, um genau zu erfassen, was tatsächlich ­errichtet wurde.

Weiss: Welche Möglichkeiten habe ich als Planer, in puncto Software fit zu bleiben bzw. mich regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen?

Kurt Battisti: Eine spannende Frage in einer spannenden Zeit. Wir befinden uns mitten in der digitalen Transformation des Bauwesens. Ja, wir brauchen Software, um effizient mit Daten umzugehen, aber die wichtigere Frage finde ich: Wie komme ich ohne größere Hürde an die Daten heran? Auch auf lange Sicht. Über Jahrzehnte. Speziell bei Sanierungen. Ich finde, dass sich alle am Bau Beteiligten mit dem Datenmanagement auseinandersetzen sollten. Die größten Unternehmen auf der Welt verdienen viel Geld mit Daten, nicht mit Software im Sinne von Programmen. Sie haben den Wert von Daten erkannt und nutzen sie. Wir sollten das auch im Bauwesen machen. Meine Empfehlung lautet, sich zumindest mit der „Foundation“-Ausbildung von buildingSMART Österreich das Basiswissen zur ­Arbeitsweise ins Haus zu holen. So werden die ­Anforderungen klar, die an die eigene Software gestellt werden sollten.

Weiss: Funktioniert die Planung von Sanierungsmaßnahmen auch ohne BIM – oder ist BIM heute ­ohnehin ein integraler Bestandteil einer erfolgreichen (Sanierungs-)Planung?     

Kurt Battisti: Sie funktioniert sicher ohne BIM, wir haben ja auch bisher schon saniert. (grinst) Aber BIM ermöglicht uns, in der Planung effizienter zu sein. Unsere Gebäude sind optimierte, hochkomplexe Gebilde, geschaffen von den verschiedensten Gewerken und Professionen. Diese Komplexität müssen wir managen. Sowohl in der Errichtung als auch im Betrieb, zu dem ja auch die Sanierung ­gehört. Wenn wir nicht wissen, was in den Gebäuden steckt, müssen wir kurzfristig und meist teuer reagieren. Wichtig ist das Wissen um das, was ist. Das bekommen wir nicht geschenkt, aber die Digitalisierung gibt uns viele Werkzeuge in die Hand.

Weiss: Zukunftsperspektiven – welche (Art von) Software wird uns in Zukunft in der Gebäudeplanung begleiten, aktuelle Entwicklungen, Trends?   

Kurt Battisti: Ich behaupte, jede Software, die sich in die Systematik BIM bzw. IFC einfügt. Gebäude sind so komplex, dass ich langfristig nur das Heil in offenen, standardisierten Formaten sehe. Daten, die über Jahrzehnte nutzbar bleiben, ohne an einen speziellen Anbieter gebunden zu sein. Mit diesen Daten umgehen zu können, im Sinne von Schaffen, Modifizieren und Auswerten, wird die Zukunft sein. Ich sehe einen Trend in der stärkeren Vernetzung der Daten. Nicht jedes Detail muss im Gebäude abgelegt werden, aber es sollte einen Link auf Daten geben. Beispielsweise Produktdaten. So lassen sich Details referenzieren, ohne gleich die ganze Welt in das digitale Modell zu holen.                      

ZITAT:

"Ich bin überzeugt, dass uns die Einhaltung von Umweltstandards langfristig Kosten sparen wird. Wir werden immer mehr darauf hingewiesen, dass Wegwerfen-und-neu-Machen eine Sackgasse ist. ,Immer neu‘ macht uns nur scheinbar freier, in Wirklichkeit aber abhängiger.“
Kurt Battisti, Geschäftsführer A-Null Development GmbH

PERSON:

Dipl.-Ing. Kurt Battisti

  • Studium Architektur an der Technischen Universität Graz
  • seit Juli 2009 Geschäftsführer A-Null Development GmbH
  • Februar 2000 bis Juni 2009 Produktmanagement A-Null Development GmbH
  • Mai 1994 bis Februar 1999 Produktmanager A-Null EDV GmbH
  • April 1992 bis Mai 1994 Technischer Zeichner, Architekturbüro Winkler

A-Null Development Gmbh:
Unterstützt Architekturschaffende darin, ihre Tätigkeiten effizient auszuüben. Dazu vertreiben sie Software und bieten Dienstleistungen an, die speziell auf die Bedürfnisse der Bauplanenden ausgerichtet sind. Damit ihre Kundinnen und Kunden diese Software auch optimal nutzen können, bieten sie professionelle Schulungsprogramme und Consultingleistung an. www.a-null.com